Call for Papers

Krieg-Flucht-Migration-Frieden
1. Dezember 2016 / Universität Osnabrück

Veranstalter:
Forum Dialog Niedersachsen
Verein für Integration und Bildung, Hannover
(Leinetal Gymnasium und Realschule)

Im medialen Diskurs über Krieg, Flucht, Migration und Frieden herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass Friedenspädagogik in diesem Kontext eine hervorragende Rolle einnimmt. Dabei liegt diesem Konsens, in aller Regel, eine strikt essentialistische Sicht auf Pädagogik zugrunde. Angenommen wird, dass „Globales Lernen“ die entscheidende Voraussetzung dafür darstellt, dass es Ideen und Grundgedanken aus der Dritte-Welt-, Umwelt-, Friedens- und interkulturelle Pädagogik aufnimmt und sie in einem integrativ-didaktischen Ansatz effektiv macht (vgl. Global Lernen 1996:2). Friedenspädagogik wird somit auf einem gesellschaftsideologischen Ordnungssektor zwischen „Verständigung“ und „Bildung“ über kriegsorientierte, fluchtbezogene, migrationsgebundene und friedliche Prozesse und Ereignisse verstanden. Sowohl aus pädagogischer Perspektive, als auch aus der Anwendungsperspektive, insbesondere der Friedensforschungspraxis, ergeben sich aus dieser Modellierung zahlreiche Fragen, darunter:

a) Frieden – Eine Herausforderung für die Pädagogik in der Migrationsgesellschaft Die Konferenz möchte Hintergründe, Ursachen, Folgen, Lösungen und methodologische Voraussetzungen einer bildungstheoretisch- und bildungspraxisorientierten Friedenspädagogikforschung, sowie nach Möglichkeit auch praktische Friedens-Pädagogik-Ansätze, zur Diskussion stellen.

b) Frieden – Interdisziplinäre Perspektiven auf Frieden in der Migrationsgesellschaft
Welche unvermeidbaren Restriktionen – zum Beispiel Friedenserziehung in der Lerner- und Lehrerbildung – sind einer Friedenspädagogik unterworfen, die sich in dieser Weise auf instrumentelle Pädagogikfunktionen beschränkt? Wie prägt dies das Selbstverständnis und die Selbstverordnung der beteiligten Akteure (EU-Organisationen, Ministerien, Universität, Schule, außeruniversitäre und außerschulische Institutionen, Vereine, Theater-, Musik- und Kunsteinrichtungen etc.)? Welche Chancen hat das Projekt „eines gesellschaftlichen Friedens durch Pädagogik“, wenn Menschen hinsichtlich ihrer nationalen, kulturellen, sozialen Herkunft, ihres Geschlechts oder religiösen Glaubens rangiert, dividiert, ausgegrenzt und diskriminiert werden? Und was sind die Alternativen? Sollen und können Kriegs- Flucht- Migrations- und Friedensaspekte bei Friedenspädagogikmodellen und Konzepten stärker gewichtet werden, so dass sie für die gesellschaftliche Friedensintegration einen besseren Nutzen erreichen? Von der Beantwortung solcher Fragen, durch die „Angewandte Pädagogik“ und der Umsetzung entsprechender Erkenntnisse, in Friedenspädagogik- Konzepten, wie sie zurzeit mehr denn je und schneller denn je gefordert sind, hängt es davon ab, wie die Realität der kulturellen Vielfalt die zukünftige Gestaltung demokratischer Gesellschaften prägt.

c) Sprachen – Die Brücke zum Frieden
Welche Gewichtung hat die Muttersprache für die Integration der Flüchtlinge? Verbieten oder erlauben der Muttersprache – Förderung oder Hindernis für die Mehrsprachigkeit? Welche Qualifikation benötigen die Lehrkräfte um Deutsch (Sprache des jeweiligen Landes) als Zweitsprache zu vermitteln? Wie können Lehrer die Muttersprache der Lerner zum Vorteil nutzen, um die zweite oder weitere Fremdsprachen besser zu ermöglichen.

Erwünscht sind dabei nicht nur Beiträge zu bereits vorliegenden Forschungserträgen, sondern gerade auch Solche, die Fragestellungen, Thesen, Skizzen, Beobachtungen, Interviews, Dokumentationen, Filme etc. zur Diskussion stellen. Die Konferenz versteht sich damit ausdrücklich als Diskussionsforum, das sich sowohl an Pädagoginnen und Pädagogen, als auch an Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler, der Geistes- und Sozialwissenschaften und der pädagogisch begründeten allgemeinen Didaktik wendet. Dabei sollen die Verhältnisse nicht nur im deutschen, sondern auch im internationalen Raum im Mittelpunkt stehen.

- Gender und Frieden (2010): In: GLOBAL LERNEN, Heft 2, S. 1-12.
- Globales Lernen (1996): In: Brot für die Welt, Heft 3, S. 1-12.
- Grasse, Renate/Gruber, Bettine/Gugel, Günther (2008) (Hrsg.): Friedenpädagogik. Grundlagen, Praxisansätze, Perspektiven. Reinbeck: Rowohlt.
- Gruber, Bettina/Hämmerle, Kathrin: (2008) (Hrsg.): Demokratie lernen heute. Politische Bildung am Wendepunkt. Wien/Köln/Weimer: Böhlau.
- Gruber, Bettina/Wintersteiner, Werner/Duller, Gerlinde (2009): Friedenserziehung als Gewaltprävention. Klagefurter Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung, Band 2. Klagefurt: Drava.
- Gruber, Bettina/Rippitsch, Daniela (2011) (Hrsg.): Modell Friedensreligion Alpen-Adria? Lernerfahrungen in einer europäischen Grenzregion. Schwallbach/Ts.: Wochenschau Verlag.
- Palencsar, Friedrich/Tischler, Kornelia/Wintersteiner, Werner (2006) (Hrsg.): Wissen schafft Frieden. Friedenserziehung in der LehrerInnen-Bildung. Klagenfurt: Drava.
- Rippitsch, Daniela/Klepp, Cornelia (2008) (Hrsg.): 25 Jahre Universitätslehrgang Politische Bildung in Österreich. Wien: Facultas Universitätsverlag.
- Wintersteiner, Werner (1999): Pädagogik des Anderen. Bausteine für eine Friedenspädagogik in der Postmoderne. Münster: Agenda Verlag.
- Wintersteiner, Werner (2010): Educational Sciences and Peace Education. Mainstreaming Peace Education into (Western) Academia? New York: Psychology Press.

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